Eine Geschichte von Daniel – Gelesen bei UNART

Andrea rannte durch den Wald. Sie staunte selbst über ihre Schnelligkeit. Selbst so mancher Fahrradfahrer, hätte jetzt noch Mühe, sie wieder einzuholen. Ihre Jacke hatte sie ausgezogen. Diese war auch total blutverschmiert. Andrea überlegte, ob sie sie später zurückholen sollte. Wenn Jemand die vier Leichen fand, und die Bullen die Jacke mit ihr in Verbindung brachten, würde sie sich ziemlich schnell im Bau wiederfinden. Aber das war ihr Momentan völlig egal. Zu fasziniert war sie von dem Amulett, das sie trug. Nicht nur, dass sie nebenbei in völliger Finsternis sehen konnte, ihr war auch kein bisschen kalt. Wäre sie intelligenter gewesen, hätte sie sich gefragt, warum Jonas das Mondamulett nicht tagsüber getragen hatte. Auf dem Schulhof hätte ihn Niemand mehr hänseln können. Doch sie sollte den Grund dafür bald erfahren.
Andrea sprang gerade über einen umgestürzten Baumstamm, als es anfing. Sie steuerte auf das Portal zu. Sie wusste zwar nicht, warum sie in diese Richtung lief, aber das Amulett wollte dorthin.
Allmächlich wurde der Himmel im Osten immer heller. Andrea spürte ein leichtes Brennen auf der Haut. Dieses wurde immer stärker, je heller es wurde. Dann steigerte es sich zur Gluthitze. Ihre braune Haut färbte sich schnell krebsrot, und war plötzlich mit Blasen übersäht. Andrea schrie vor Schmerz, und drehte sich um.
Das hätte sie besser nicht getan, denn das Licht der aufgehenden Sonne, ließ ihre Augäpfel zerplatzen. Mit schwarzen, qualmenden, und leeren Augenhöhlen, taumelte sie schreiend weiter.
Dann ging die Sonne vollends auf, und erschien am östlichen Horizont. Der erste Sonnenstrahl der Andrea traf, fühlte sich so an, wie ein feuriges Schwert, und setzte ihren Körper in Brand.
Nun sah sie so aus, wie eine Feuersäule, und fiel zu Boden. Sie war nur noch wenige Meter vom Portal entfernt, und kroch darauf zu. Doch es verschwand im Morgenlicht, sodass Andrea nun den Sonnenstrahlen schutzlos ausgeliefert war. Innerhalb weniger Minuten war nur noch ein Haufen Knochen zu sehen, die so aussahen, als wären sie mit schwarzem Teer beschmiert.
Und obenauf trohnte ein grinsender Totenschädel.

Kevin ärgerte sich. Er irrte jetzt schon eine ganze Weile in der Höhle herum. Als er wieder zu sich kam, musste er feststellen, dass er die gesamte Geröllhalde herruntergerutscht war. Außerdem war es unmöglich, da wieder hochzuklettern. Sein Messer hatte nur ein paar Dezimeter neben ihm gelegen. Da er sich bei dem Sturz kaum verletzt hatte, machte er sich wieder auf die Suche nach Tobias.
Kevin war versunken in Gedanken, wie er sich an Tobias rächte. Seine Phantasien machten dabei die wildesten Bocksprünge. Sogar das eine oder andere Mittelalterliche Foltergerät tauchte darin auf.
So bemerkte Kevin es nicht sofort, dass er eine Höhle betreten hatte. Erst nach einer Weile bemerkte er, wie seltsam die Höhle war. Der Boden war Merkwürdig weich, und die Stalagmiten die von der Decke ragten; sowie die Stalagtiten die aus dem Boden wuchsen, sahen sehr glatt aus, und waren noch dazu, sehr gleichmäßig verteilt. Merkwürdig war auch der warme Wind, der aus der Höhle herauswehte. Er brachte den Gestank einer Raubtierhöhle mit sich.
Kevin verzog das Gesicht. Er holte ein Feuerzeug aus seiner Tasche, und ließ es aufflammen. Denn in dieser Höhle war es noch viel dunkler, als in der, die er gerade verlassen hatte. Erst jetzt sah er, dass zwischen den Stalagtiten, Skelette feststeckten.
Nach einem genaueren Blick, stellte Kevin fest, dass längst nicht alle Skelette von Tieren stammen, denn nur zwei Meter links von ihm, war ein menschlicher Schädel zu sehen.
Und mit einem Mal, wurde Kevin auch bewusst, wo er sich befand. Im Maul eines Drachen. Er versuchte noch herauszukommen, als schon Bewegung in das Maul kam.
„Ah Fleisch!“ ertönte da die Stimme des Drachen, aus der Tiefe seines Rachens „Und es kommt so bereitwillig zu mir.“
„Nein, warte!“ schrie Kevin noch. Doch es war zu spät.
Das Maul klappte zu, und schluckte den Jungen einfach herrunter. Gesättigt ließ sich der Drache wieder zum Schlafen nieder. Kevins Ende aber, fand er erst im Magen des Drachen.
Wo er bei lebendigem Leib verdaut werden sollte.

Aleatha war nervös. Tobias hätte schon längst wieder da sein müssen. Die Sonne war gerade wieder aufgegangen. Dabei öffnete sich das Portal ins Feenreich, nur in Vollmondnächten. So langsam machte sie sich Sorgen. Schließlich gab es ja noch den Drachen, dessen Höhle er durchqueren musste.
Aleatha stieg von ihrem Reittier herrunter. Es war eine Spinne. Selbige war jedoch so groß wie ein Kutschpferd, und wurde auch als ein Solches gezüchtet. Aleatha seufzte. Sie fragte sich, wo er nur blieb.
Dabei sah sie in den Teich, der neben der Höhle lag. Ihr Anblick spiegelte sich auf der Wasseroberfläche. Sie sah recht schön aus, auch für menschliche Verhältnisse. Ihre langen, schwarzen Haare, und die bleiche Haut, machten sie sogar noch schöner, fand sie. Ihre Haut sah tatsächlich so aus, als würde sie nie an die Sonne gehen, und so war es ja auch. Das Einzige, was sie für die meisten Menschen abstoßend machte, waren ihre langen, spitzen Ohren, und ihre Augen, deren Pupillen gelb waren, mit einem schwarzen Strich in der Mitte. Sie sahen so aus, wie die Augen eines Reptils.
Sie lächelte, als sie daran dachte, dass Tobias ihr einst sagte, sie würde gerade dadurch, noch schöner sein. Dann strich sie ihr schwarzes Kleid glatt, und schulterte ein Schwert, dass kaum ein Mensch auch nur hochheben konnte. Sie wollte die Drachenhöhle gerade betreten, um sich auf die Suche nach ihrem Liebsten zu machen, als ebenjener die Höhle gerade verließ.
„Tobias!“ rief sie erfreut.
Sie rannte zum ihm, und umarmte ihn. Er ließ es willig geschehen. Erst jetzt merkte sie, wie erschöpft er war. Selbst jetzt, fand sie ihn noch gutaussehend. Und wieder lächelte sie, als sie daran dachte, dass er sie manchmal „Leah“ nannte.
Sie setzte ihren Liebsten, der bereits eingeschlafen war, neben sich, in den Sattel der Riesenspinne. Dann bemerkte sie, dass ihm etwas aus der Hand gefallen war. Aleahta staunte nicht schlecht, als sie sah, dass es der Lilienkelch war.
„Du hast es geschafft!“ flüsterte sie. Sie wollte ihn nicht aufwecken, noch nicht. Und wieder lächelte sie, als sie den Lilienkelch in eine der Satteltaschen packte, und selber aufsaß.
Dann ritten sie in die Richtung, in der das Schloß lag, in dem Aleahta wohnte.
Tiefer und tiefer in den Wald hinein.

ENDE